Die Ausstellung

Thüringer Kirchen und Museen beherbergen mittelalterliche Holzskulpturen, deren Ausdruckskraft den Betrachter zutiefst berührt. Die sakralen Bildwerke erzählen von vorreformatorischen Glaubenswelten. Der Zerstörungswut der Bilderstürmer entgingen sie einst und erinnern heute an die Kunstfertigkeit der mittelalterlichen Bildschnitzer. Dass trotz massiver Bildkritik der Reformatoren noch zahlreiche katholische Kultobjekte in evangelisch-lutherischen Kirchen erhalten blieben, ist Martin Luthers vermittelnden Ansichten zum Bildgebrauch zu verdanken. Er lehrte, dass man die Bilder nicht zerstören brauche, da sie nichts bewirken. Als Lehrmittel seien sie nützlich, nur die Anbetung müsse unterbleiben. Somit verloren die Bildwerke ihre Bedeutung im Ritus, wurden aber als Verweis auf die christliche Lehre geduldet. Das 19. Jahrhundert erklärte die Holzskulpturen zur sakralen Kunst, zu Sammlungs- und Forschungsobjekten. Seitdem dienen sie der Untersuchung stilistischer Entwicklungen, theologischer Fragestellungen und regionaler Besonderheiten.

Ausgehend von der bedeutenden Sammlung des Thüringer Museums in Eisenach erkundet der Fotograf Ulrich Kneise mittelalterliche Holzskulpturen in Thüringen. Seine Fotografien spüren der rätselhaften Aura der Figuren nach und öffnen den Blick für deren sinnstiftende Kraft, die ihnen bis heute innewohnt.

Ein Beitrag der Wartburgstadt Eisenach zum Jubiläum „500 Jahre Reformation – Luther 2017“. Die Ausstellung wird gefördert durch den Freistaat Thüringen.